Ihr Haus ist Baujahr 1975, die alten Heizkörper hängen noch original an der Wand, und der Nachbar hat gerade eine Wärmepumpe bekommen. Jetzt fragen Sie sich, ob das bei Ihnen auch funktioniert – oder ob Sie sich damit ein teures Problem ins Haus holen. Kurze Antwort: kommt drauf an. Und genau dieses „kommt drauf an“ will ich Ihnen mit Substanz füllen, nicht mit Marketing-Floskeln.
Ich bin seit Jahren mit meinem Betrieb in der Region Stade und Cuxhaven unterwegs, vom Fachwerkhaus am Deich bis zum Siedlungshaus aus den Siebzigern. Und ich sage Ihnen ehrlich: Nicht jedes Bestandsgebäude ist ohne Weiteres wärmepumpentauglich. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, ohne vorher eine Heizlastberechnung gemacht zu haben, verkauft Ihnen ein Versprechen, keine Lösung.
Kurz beantwortet
Eine Wärmepumpe lohnt sich im Bestand fast immer dann, wenn die Vorlauftemperatur niedrig ist oder durch geeignete Maßnahmen gesenkt werden kann. Das ist bei gedämmten Häusern und größeren Heizkörpern meist der Fall. Ohne Dämmung und mit kleinen Heizkörpern steigen die Stromkosten. Die Heizlastberechnung entscheidet, nicht das Baujahr.
Warum das Baujahr die falsche Frage ist
Viele Kunden kommen mit der Frage „Ist mein Haus zu alt für eine Wärmepumpe?“ zu mir. Falsche Frage. Ein Fachwerkhaus von 1890 mit neuer Dämmung und Flächenheizung läuft oft effizienter als ein Siebziger-Jahre-Bau mit Originalfenstern und Heizkörpern. Entscheidend ist die Heizlast pro Quadratmeter und die Systemtemperatur, die Ihr bestehendes Heizsystem braucht. Alles andere ist Bauchgefühl.
Vorlauftemperatur: der eigentliche Knackpunkt
Klassische Heizkörper aus den Sechzigern und Siebzigern sind oft auf 70/55 °C ausgelegt. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe schafft solche Temperaturen zwar technisch, aber die Jahresarbeitszahl (JAZ) bricht dabei spürbar ein: Aus einer JAZ von 4,0 wird schnell eine 2,5, und damit ist der Betrieb kaum noch günstiger als eine Gasheizung.
Die Lösung ist meistens nicht der komplette Umbau auf Fußbodenheizung, sondern der gezielte Austausch der zwei, drei kritischsten Heizkörper gegen größere Modelle oder gegen Niedertemperatur-Heizkörper.
Was kostet das im Bestand realistisch?
Hier will ich konkret werden, auch wenn Pauschalpreise immer mit Vorsicht zu genießen sind. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation liegt im Bestand grob zwischen 30.000 und 45.000 Euro, je nach Gebäudegröße, Pufferspeicher, Elektroarbeiten und eventuellem Heizkörpertausch. Ein echtes Angebot mit allen Zahlen finden Sie in unserem Beitrag Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau wirklich?
Mit der aktuellen BEG-Förderung – Grundförderung plus Einkommens- und Geschwindigkeitsbonus – landen viele Bestandskunden bei einer Förderquote von 30 bis maximal 70 Prozent, in Einzelfällen bis zu den 80 Prozent für einkommensschwächere Haushalte. Die genauen Bonushöhen ändern sich immer wieder, deshalb rechne ich das für jeden Kunden individuell mit dem aktuellen Stand durch, statt aus dem Kopf eine Zahl zu nennen.
Lohnt sich das ohne Dämmung?
Kurz gesagt: selten richtig gut. Ohne Dämmung steigt die Heizlast, die Vorlauftemperatur muss hoch bleiben, und die Wärmepumpe arbeitet ineffizient.
Das heißt nicht, dass Sie erst für 40.000 Euro die Fassade dämmen müssen, bevor eine Wärmepumpe infrage kommt. Aber Kerndämmung, Dachbodendämmung und der Austausch alter Fenster sind oft die Maßnahmen mit dem besten Verhältnis von Kosten zu Wirkung, noch vor der Heizungserneuerung selbst.
Bestand in der Region Stade: ein paar lokale Besonderheiten
An der Elbe und an der Nordsee haben wir zwei Dinge, die anderswo weniger Rolle spielen.
- Fachwerk- und Klinkerbauten: Hier kann energetische Sanierung mit Denkmalschutz-Auflagen kollidieren. Da lohnt sich vorab ein Gespräch mit der zuständigen Denkmalbehörde, bevor Sie in die Planung investieren.
- Das milde, maritime Klima: Wir haben hier seltener extreme Frostperioden als im Binnenland. Das kommt der Effizienz einer Luftwärmepumpe tatsächlich zugute, denn die Geräte müssen seltener in den ineffizienten Abtau-Betrieb.
Was ich für Unsinn halte
Die Behauptung „Wärmepumpe geht in jedem Altbau“ ist Unsinn, genauso wie das Gegenteil „Wärmepumpe geht im Altbau nie“. Beides ist Verkaufsrhetorik, keine fachliche Aussage.
Genauso halte ich wenig von Pauschalangeboten ohne Vor-Ort-Termin und ohne hydraulischen Abgleich im Nachgang. Der hydraulische Abgleich wird beim Bestandsumbau fast immer vergessen, obwohl er bares Geld an Effizienz bringt und meistens nur ein paar hundert Euro kostet.
Passt eine Wärmepumpe zu Ihrem Haus?
Wir sagen es Ihnen ehrlich, beim kostenlosen Vor-Ort-Termin.