1.250 Kilowattstunden Gas im Monat, und die Frage im Kopf: Wird das mit der Wärmepumpe jetzt teurer oder günstiger? Ich rechne solche Umstiege ständig für Kunden durch, und die Antwort überrascht fast immer positiv, aber nur, wenn man richtig rechnet und nicht nur die reine Kilowattstunde vergleicht.
Kurz beantwortet
Bei 1.250 kWh Gas im Monat und einer Wärmepumpe mit JAZ 4 liegen die Stromkosten bei einem Strompreis von 30 Cent pro kWh bei rund 84 Euro, gegenüber etwa 113 bis 125 Euro für die gleiche Wärmemenge mit Gas. Der Grund: Die Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom rund viermal so viel Wärme wie eine Gasheizung aus einer Kilowattstunde Gas.
Die Rechnung Schritt für Schritt
Erster Schritt: Nicht jede Gas-Kilowattstunde landet als Wärme im Haus. Ein Brennwertkessel hat einen Nutzungsgrad von rund 90 Prozent, ein älterer Niedertemperaturkessel eher 80 bis 85 Prozent. Ich rechne hier mit 90 Prozent, weil das der übliche Wert für die meisten in den letzten 15 Jahren getauschten Anlagen ist. Bei einem älteren Kessel würde der Vergleich sogar noch etwas günstiger für die Wärmepumpe ausfallen.
1.250 kWh Gas × 90 Prozent Nutzungsgrad = 1.125 kWh Nutzwärme im Monat.
Zweiter Schritt: Diese Nutzwärme muss die Wärmepumpe erzeugen. Bei einer JAZ von 4 braucht sie dafür ein Viertel an Strom.
1.125 kWh Wärme ÷ 4 = rund 281 kWh Strom im Monat.
Dritter Schritt: Bei einem Strompreis von 30 Cent pro kWh kommen Sie auf etwa 84 Euro Stromkosten im Monat. Zum Vergleich: Die 1.250 kWh Gas kosten bei aktuell rund 9 bis 10 Cent pro kWh etwa 113 bis 125 Euro.
| Heizart | Kosten pro Monat |
|---|---|
| Gasheizung (1.250 kWh à 9 bis 10 Cent) | 113 bis 125 Euro |
| Wärmepumpe (281 kWh à 30 Cent, JAZ 4) | rund 84 Euro |
| Wärmepumpe mit Wärmepumpentarif (281 kWh à 20 Cent) | rund 56 Euro |
Die reine Energiekostenersparnis liegt damit bei etwa 25 bis 33 Prozent, Monat für Monat. Das ist spürbar weniger dramatisch als bei einem günstigen Wärmepumpentarif um die 20 Cent, aber immer noch klar auf der Habenseite.
Was in der reinen Kilowattstunden-Rechnung fehlt
Genau hier höre ich in Beratungsgesprächen oft auf, dabei fängt der eigentliche Vorteil erst an.
- Keine Gas-Grundgebühr mehr: Mit dem Gasanschluss verschwindet nicht nur der Verbrauch, sondern auch die monatliche Grundgebühr des Netzbetreibers. Bei einer reinen Wärmepumpenlösung läuft sie schlicht nicht mehr auf.
- Keine Schornsteinfegergebühr für die Gasheizung: Sie entfällt und macht bei den meisten Haushalten einen mittleren zweistelligen Betrag im Jahr aus.
Beides zusammen ist kein Riesenposten, aber es sind laufende Fixkosten, die in vielen Online-Rechnern schlicht ignoriert werden.
Eine Sorge kann ich Ihnen dagegen nehmen: Die Kosten für den Stromzähler selbst fallen nicht neu an, den haben Sie als Haushalt ohnehin schon. Für einen separaten Wärmepumpenzähler kommt zwar meist ein kleiner Aufpreis dazu, der lohnt sich aber in aller Regel über den günstigeren Tarif mehr, als er kostet.
Noch mehr sparen mit dynamischem Stromtarif
Wer den Stromverbrauch der Wärmepumpe zusätzlich über einen dynamischen Stromtarif in Kombination mit einem Energiemanagementsystem steuert, hebt noch einmal Sparpotenzial. Die Anlage lädt und heizt dann bevorzugt in den günstigen Stunden, statt stur nach Thermostat zu laufen. Bei den aktuellen Preisschwankungen zwischen Tag und Nacht ist das in der Praxis oft der Unterschied zwischen einer soliden und einer richtig guten Stromrechnung.
Häufige Fragen
Ändert sich die Rechnung bei einem alten Gaskessel?
Ja, tendenziell zugunsten der Wärmepumpe. Ein alter Niedertemperaturkessel mit schlechterem Wirkungsgrad verbraucht pro Kilowattstunde Nutzwärme mehr Gas, die Wärmepumpe schneidet im Vergleich also noch besser ab.
Was, wenn meine Wärmepumpe eine niedrigere JAZ als 4 erreicht?
Dann sinkt die Ersparnis entsprechend, bleibt aber in fast allen realistischen Szenarien deutlich positiv. Selbst bei einer JAZ von 3 liegen die Stromkosten noch klar unter den Gaskosten.
Lohnt sich ein separater Wärmepumpentarif?
Ja. Die Rechnung oben mit 30 Cent zeigt sogar den konservativeren Fall ohne speziellen Tarif. Wer stattdessen einen dedizierten Wärmepumpentarif mit separatem Zähler nutzt, landet oft eher bei 20 bis 22 Cent pro kWh. Dann steigt die Ersparnis gegenüber Gas noch einmal deutlich, statt bei 25 bis 33 Prozent eher Richtung 50 Prozent.
Wer die eigene Gasrechnung vor sich liegen hat, kann diese Rechnung mit dem eigenen Nutzungsgrad und der geplanten JAZ eins zu eins nachvollziehen. Das ist der beste Ausgangspunkt für eine realistische Einschätzung, keine pauschale Aussage aus dem Internet.
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